Bombe, Augstein, Teheran.

Jakob Augstein kolumniert.
Während die Überschrift noch suggeriert, es ginge um etwas anderes als Israel, straft natürlich bereits der erste Satz des tatsächlichen Textes diese Annahme Lügen. Benjamin „Bibi“ Netanyahu hat schon wieder etwas angestellt, schreit er doch penetrant in die Welt, was ansonsten kaum jemand hören mag: Dass das bevorstehende Abkommen wenig mehr ist als Teer auf dem iranischen Weg zur Bombe, was aus israelischer Sicht existenziell bedrohlich ist.
Man könnte ihm, dem Schreihals, geradezu wünschen,  er würde einmal Ruhe geben und jemandem zuhören, der wirklich etwas von der Situation versteht: Jakob Augstein.
Ganz ruhig und abgeklärt, mit der ein oder anderen Spitze hier und da könnte der dann einiges zurechtrücken. Dass die iranischen Ambitionen im Angesicht der israelischen Angriffsdrohungen doch nachvollziehbar sind, könnte er ihm sagen. Dass man sich in Teheran von der Bombe in erster Linie Sicherheit verspricht und auch, dass Grund zur Sorge allenfalls die haben, die Irans eigentliche Feinde sind. Mit dem ihm eigenen analytischen Blick auf die Hintergründe könnte er ihm nach und nach begreiflich machen, dass er aufhören kann, herumzuschreien. Dass die eigentliche Gefahr doch so oder so nicht im Iran zu suchen ist, sondern in dem Land, das er selbst international isoliert hat, in Israel. Und sowieso – dass es sich, sollte hier wirklich jemand unberechenbar sein, doch um ihn handelt und nicht um die Despoten in Teheran.
Schließlich, und es würde kaum lange dauern, könnte er auch ihm, den er freundschaftlich Bibi nennt, nachdenklich die Frage stellen, ob die ganze Sache mit der Bombe denn wirklich so eine Katastrophe wäre. Vielleicht könnten sie sogar gemeinsam Schritte zur atomaren Entwaffnung Israels überlegen, nur so schließlich ließe sich nachhaltig Sicherheit schaffen. Natürlich hatte Augstein all die israelischen Vernichtungsdrohungen gegenüber dem Iran sowieso nie wirklich ernstgenommen. Dennoch könnte es nicht schaden, wenn sie noch einmal darüber reden würden.
Wenn sie soweit kommen würden – sie wären bestimmt eine Zeit lang gesessen – könnte er auch den wirklichen Kern der Sache ansprechen: die Sache mit der Logik.
So einfach wäre alles, würde der Schreihals vom toten Meer solch einfacher Logik folgen, wie es die vorbildlichen Despoten in Teheran tun. Er könnte ihn dazu bewegen, es zumindest in Erwägung zu ziehen. Er könnte auch tun, was er in der Kolumne nicht getan hat. Er könnte die Frage aufwerfen, warum ihn der immanente Gegensatz zwischen einfache Logik und Despoten in Teheran weder beim Schreiben, noch beim Veröffentlichen seines Plädoyers für die atomare Bewaffnung des irrational agierenden antisemitischen Terrorregimes der Islamischen Republik geschmerzt hat. Möglicherweise könnte es ihm sein Freund, Benjamin „Bibi“ Netanyahu, begreiflich machen. So laut er will.