Man muss ja …

… meinetwegen nichts davon halten, bei jeder sich bietenden Gelegenheit Facebook-Profilfotos mit Regenbogen- oder anderen Farbfiltern zu versehen. Man kann wohl auch tatsächlich, ohne angesichts derart unmenschlicher Attentate auf Zivilisation, Leben und Lebensfreude auch nur mit der Wimper zu zucken, direkt dazu übergehen, sich über solche Gesten – und seien sie auch unbeholfen – zu mokieren. Wenigstens fragen sollte man sich dann allerdings, warum einem die bodenlose Barbarei nicht einmal mehr Angst macht, warum man nicht einmal eine Sekunde das Bedürfnis hat, angesichts der eigenen Ohnmacht in Tränen auszubrechen und wie zur Hölle man an einen Punkt kommen konnte, wo einem ebendiese Versuche, Entsetzen, Trauer und Angst auszudrücken, nurmehr selbstgefällige Verachtung abnötigen. Selbstverständlich ist man aber schon lange erfahrungsunfähig genug, um routiniert dazu überzugehen, sich umgehend mahnend, warnend und »kritisch hinterfragend« in Position zu bringen. Unfähig, zu verstehen, wieso in der eigenen Umgebung und in den Medien Leute wenigstens noch Restempfinden zum Ausdruck bringen, wenn die tödlichste Ideologie der Welt um sich schießt und sich dann selbst zerfetzt, um noch die letzten das Leben oder auch nur das Wochenende feiernden Kuffar mit in den Tod zu reißen, fordert man hämisch Solidarität etwa mit Beirut. Ganz, als drückte sich in dieser Forderung irgendetwas anderes aus als die Ablehnung der Solidarität – was auch immer man sich unter Solidarität in dieser Situation vorstellt – mit Paris und ganz, als hätte einen der Anschlag in Beirut oder gar irgendeines der täglichen Mordattentate in Israel auch nur im Geringsten interessiert, bevor man die Frage, wo denn jetzt die ganzen libanesischen Flaggen seien, als spöttisches Argument gegen die Anteilnahme für Paris ins Feld führen konnte. Besser kann man seinen Mangel an Furcht vor den djihadistischen Mordbanden wirklich nur noch ausdrücken, indem man wenige Stunden nach den Anschlägen, die maßgeblich einem Club galten, der wegen seiner »jüdischen (Vor-)Besitzer« ins Visier todessehnsüchtiger junger Männer geriet, Dinge schreibt wie »Ist ja wirklich schlimm, aber wesentlich mehr Angst (!) machen mir die anti-muslimischen Reaktionen, die jetzt folgen werden« oder, zum dreihundertsten Mal, darauf beharrt, mit dem Islam habe all das »nichts zu tun«.
Und man wird wieder nicht darüber reden wollen, warum das eben doch der Fall ist.

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