Alltagselend.

Deutsche Nachrichten.
Es hat – das ist immerhin bemerkenswert – nur zwei Wochen gedauert und ist jetzt endlich soweit:
Die Grünen wollen die »Herkunft der Köln-Täter doch diskutieren« (1).

Während man sich hier also wortwörtlich gezwungen sieht, die Gemütlichkeit des aufwändig gepflegten Kulturrelativismus für einen Moment beiseite zu schieben, hat der Spiegel in gewohnt wortgewandter Manier den nächsten Schritt bereits gemacht und fragt keck:
»Schneller abschieben – nur wie?« (2)

Sicher dauert es nicht allzu lang, bis auch die Grünen einsehen, dass – möglichst sofortige – Abschiebung hier die einzig angemessene Lösung schon allein deshalb darstellt, weil es wesentlich weniger schlimm ist, wenn Jungmännerbanden sich an Frauen vergreifen,die zum selben schützenswerten »Kulturkreis« gehören. Da kommt es nur gelegen, wenn die Große Koalition »die Maghreb-Staaten zu sicheren Herkunftsländern« erklären will und wieder mal verdeutlicht, was für eine lächerliche Farce diese Kategorie ist.

Zwei Beiträge auf Spiegel Online. Geballtes deutsches Elend. Einen Begriff indes, der doch so wichtig wäre, um sich jenseits des widerlichen Geredes über Herkunft, Nationalität, Kulturkreis und Abschiebung überhaupt einen Begriff davon zu machen, wovon man spricht, sucht man in beiden vergebens:

Islam.

Weit abgeschlagen in der Peripherie des Bedeutungslosen finden sich dazu Nachrichten wie:

»Diesen 62 Superreichen gehört so viel wie der halben Welt« (3), eine Fotoserie, die zur Suche nach Hakennasen einlädt, oder

»Pakistan: Teenager hackt sich wegen Blasphemie-Vorwurf die Hand ab« (4).

(1) http://www.spiegel.de/politik/deutschland/koeln-gruene-sehen-zusammenhang-zwischen-herkunft-der-taeter-und-grapsch-attacken-a-1072598.html
(2) http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fluechtlinge-aus-marokko-und-algerien-im-fokus-der-bundesregierung-a-1072599.html
(3) http://www.spiegel.de/wirtschaft/oxfam-diesen-62-superreichen-gehoert-so-viel-wie-der-halben-welt-a-1072576.html
(4) http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/pakistan-jugendlicher-hackt-sich-wegen-blasphemie-vorwurf-die-hand-ab-a-1072658.html

Man muss ja …

… meinetwegen nichts davon halten, bei jeder sich bietenden Gelegenheit Facebook-Profilfotos mit Regenbogen- oder anderen Farbfiltern zu versehen. Man kann wohl auch tatsächlich, ohne angesichts derart unmenschlicher Attentate auf Zivilisation, Leben und Lebensfreude auch nur mit der Wimper zu zucken, direkt dazu übergehen, sich über solche Gesten – und seien sie auch unbeholfen – zu mokieren. Wenigstens fragen sollte man sich dann allerdings, warum einem die bodenlose Barbarei nicht einmal mehr Angst macht, warum man nicht einmal eine Sekunde das Bedürfnis hat, angesichts der eigenen Ohnmacht in Tränen auszubrechen und wie zur Hölle man an einen Punkt kommen konnte, wo einem ebendiese Versuche, Entsetzen, Trauer und Angst auszudrücken, nurmehr selbstgefällige Verachtung abnötigen. Selbstverständlich ist man aber schon lange erfahrungsunfähig genug, um routiniert dazu überzugehen, sich umgehend mahnend, warnend und »kritisch hinterfragend« in Position zu bringen. Unfähig, zu verstehen, wieso in der eigenen Umgebung und in den Medien Leute wenigstens noch Restempfinden zum Ausdruck bringen, wenn die tödlichste Ideologie der Welt um sich schießt und sich dann selbst zerfetzt, um noch die letzten das Leben oder auch nur das Wochenende feiernden Kuffar mit in den Tod zu reißen, fordert man hämisch Solidarität etwa mit Beirut. Ganz, als drückte sich in dieser Forderung irgendetwas anderes aus als die Ablehnung der Solidarität – was auch immer man sich unter Solidarität in dieser Situation vorstellt – mit Paris und ganz, als hätte einen der Anschlag in Beirut oder gar irgendeines der täglichen Mordattentate in Israel auch nur im Geringsten interessiert, bevor man die Frage, wo denn jetzt die ganzen libanesischen Flaggen seien, als spöttisches Argument gegen die Anteilnahme für Paris ins Feld führen konnte. Besser kann man seinen Mangel an Furcht vor den djihadistischen Mordbanden wirklich nur noch ausdrücken, indem man wenige Stunden nach den Anschlägen, die maßgeblich einem Club galten, der wegen seiner »jüdischen (Vor-)Besitzer« ins Visier todessehnsüchtiger junger Männer geriet, Dinge schreibt wie »Ist ja wirklich schlimm, aber wesentlich mehr Angst (!) machen mir die anti-muslimischen Reaktionen, die jetzt folgen werden« oder, zum dreihundertsten Mal, darauf beharrt, mit dem Islam habe all das »nichts zu tun«.
Und man wird wieder nicht darüber reden wollen, warum das eben doch der Fall ist.

Nein, das ist kein Unterschied.

»[V]on euphorisch bis wütend, stets mit einer großen Portion Feminismus und Nerdigkeit« schreiben auf dem Blog kleinerdrei verschiedene – bekannte und weniger bekannte – Autorinnen und Autoren des deutschen Pop-Feminismus. In der Rubrik kleinergast erschien am 14. September ein Gastbeitrag. Unter dem Titel Dies ist keine Burka äußert eine Miriam, die laut Autorenbeschreibung Absolventin der Berliner Islamwissenschaft ist und als Kulturmanagerin in Saudi-Arabien lebt, ihre Ansichten zu verschiedenen Aspekten, die sie »an der deutschen Kopftuchdebatte nerven«.

1. Hidschab, Niqab, Burqa – Schleier, Schleier, Schleier

Als wäre es nicht völlig gleich, ob der Stoff, mit dem sich konservative Musliminnen verhüllen, blau oder schwarz ist, fühlt sich die Autorin zuvorderst angesichts gravierender Mängel im Kenntnisstand der deutschen Gesamtgesellschaft bezüglich Fragen der islamischen Garderobe gestört. Kaum weiß der durchschnittliche Kopftuch-Debattierende schließlich zwischen HidschabNiqab und Burqa, zwischen Abaya und Tschador zu differenzieren. Inmitten all der Aufregung über solches Unwissen, solchen Mangel an »kulturelle[r] Sensibilität«, der auch »einfach ein bisschen peinlich« ist, erübrigt es sich selbstredend, auch nur ein Wort über den Impetus all dieser verschiedenen Formen der Verschleierung zu verlieren. Einer quasi nebenbei vorgenommenen Übersetzung bleibt es so vorbehalten, auszusprechen, was man als Islamwissenschaftlerin und Absolventin mehrjähriger Arabisch-Kurse ebenso selbstverständlich zu wissen hat, wie man nicht in der Lage ist, es in seiner Bedeutung zu erfassen. Zugleich ist das Gesagte geeignet, mit der Beschwerde darüber, dass das Gros potentieller Gesprächspartner aus naheliegenden Gründen eben nicht Arabisch spricht, ein für alle mal aufzuräumen:

Die Worte Hidschab, Niqab und Burka [sic] kommen aus dem Arabischen und bedeuten alle »Schleier«.

Die Schlussfolgerung aus diesem völlig entbehrlichen Teil des Textes ist denn auch ebenso läppisch wie zutreffend, wobei die Gründe für letzteres andere sind als die, die die Autorin zugrundelegt:

Statt »Burka-Verbot« schlage ich daher vor, von einem »(Voll-)Verschleierungsverbot« oder einem »Gesichtsschleierverbot« zu sprechen.

Tatsächlich wäre der Begriff »Verschleierungsverbot« wohl wesentlich adäquater als der des Burqa-Verbots: Qua Beschränkung auf das nicht mehr zu steigernde Maximum der Verschleierung verkennt letzterer, dass die ideologischen und religiösen Grundlagen weder des Niqab, noch des Tschador oder des Hidschab – des ordinären Kopftuchs – sich maßgeblich von denen der Burqa unterscheiden. Mag die Intention des verschleiernden Kleidungsstücks sich in verschiedener Intensität praktisch manifestieren, so bleibt sie doch stets dieselbe: die »sichtbare Einhegung der Sünde« (Uli Krug). Über ein »Verschleierungsverbot« zu diskutieren, ein Solches zu erstreiten, wäre der Rede vom Burqa-Verbot also tatsächlich vorzuziehen. Unbenommen davon verspricht jedoch die verbreitete, von der Autorin so beklagte, Unkenntnis über all die wichtigen Abstufungen in der Intensität des Kampfes gegen das Individuum, Sorge dafür zu tragen, dass Begrifflichkeiten zweitrangig bleiben. Das weiß auch Miriam:

Die Politiker*innen, die ein »Burka-Verbot« fordern, sagen zwar »Burka«, meinen aber eigentlich irgendeine andere Art (oder alle Arten?!) der Verschleierung.

2. Religionsfreiheit und »Benachteiligung aus religiösen Gründen«

Neben aus derartigen Beiträgen bereits hinlänglich bekannten und dementsprechend erwartbaren argumentativen Nebelkerzen wie der absichtlich begriffslosen Gleichsetzung religiös motivierter Kopfbedeckungen und Ordenstrachten, die »auch in vielen anderen Religionen« vorkommen – dass sie einander deshalb noch lange nicht entsprechen, versteht sich eigentlich von selbst – pocht der zweite Teil des Textes auf »Religionsfreiheit«. Nur auf eines lohnt sich in diesem Zusammenhang hinzuweisen: Dass »das Grundgesetz […] eine Benachteiligung aus religiösen Gründen [verbietet]«, ist, nimmt man diesen Anspruch denn ernst, unmöglich als Argument für die Zulässigkeit welchen Verschleierungsutensils auch immer zu verstehen. Was anderes als ebendiese Benachteiligung aus religiösen Gründen ist es schließlich, das muslimische Mädchen erfahren, deren Eltern sie – gerade aufgrund mangelnder Verhüllung – von der Teilnahme am Sport- oder Schwimmunterricht ausnehmen? Einzig sinnvolle Konsequenz aus der Vorgabe des Grundgesetzes wäre, jene Eltern konsequent an der Benachteiligung der eigenen Kinder aus religiösen Gründen zu hindern. Essentiell wichtig in diesem Zusammenhang: Die Offenhaltung der staatlichen Institution, die die Schule darstellt, als Raum, in dem Kinder Anderes als die religiösen Vorstellungen der Eltern und ihrer Community zumindest kennenzulernen möglich ist. Das Bundesverfassungsgericht hat deutlich gemacht, dass es nicht gewillt ist, das zu tun. Zu überlegen wäre demnach, ob dieser Unwillen, muslimischen Kindern – notfalls an der Weigerung ihrer Eltern vorbei – ungeachtet der Religionszugehörigkeit zu gleichem Recht zu verhelfen, etwas anderes ist als Benachteiligung aus religiösen Gründen.

3. Verschleierungsverbot

Einschlägige Begriffe wie »kulturchauvinistisch« lassen die Auseinandersetzung mit dem Folgenden müßig erscheinen – zu oft schon hat sie stattgefunden. Die Intensität der Abwesenheit jeglicher Vorstellung von universeller Freiheit genauso wie Lust an der Unlust beziehungsweise der dreisten Unwahrheit der Behauptung, die Gründe muslimischer Frauen in Deutschland für das Tragen des Schleiers wären ausschließlich freiwilliger Natur, die die in Saudi-Arabien lebende (!) Islamwissenschaftlerin Miriam offenbart, scheint dennoch alarmierend:

Muslimische Frauen würden unterdrückt oder gezwungen, das Kopftuch zu tragen. Alles Quatsch.

Alles Quatsch. Mit Zwang hat das nichts zu tun. »Diese Sicht entspringt tief verwurzelten Stereotypen«. Interessant wäre, wo der Quatsch denn endet, dem bisher offensichtlich weder entsprechende Berichte diverser (Ex-)Musliminnen, noch – drastischer – Ehrenmorde etwas anhaben konnten.
Tatsächlich Quatsch sind indes die Gründe, die Miriam gegen ein Verbot des Schleiers ins Feld zu führen weiß.

Eine demokratische, sichere, freie und gleiche Gesellschaft sollte sich dadurch auszeichnen, dass Frauen, ohne belästigt zu werden, tragen können, was sie wollen, weil sie – tada! – freie Menschen sind.

Zu behaupten, das Anlegen des Schleiers, das offene Bekenntnis also zur eigenen Unfreiheit – und sei es noch so empowered und stolz – wäre ausgerechnet als Ausdruck von Freiheit zu akzeptieren, spricht all jenen Frauen in der islamischen – und, wenn es nach Leuten wie Miriam geht, gesamten – Welt Hohn, denen es nicht gegeben ist, Unterdrückungsinstrumente als Teil selbstbewusster Identitätsfindung anzulegen. Gegenüber dem Freiheitsgerede äußerst widersprüchlich nimmt sich ein weiteres Argument Miriams gegen das Verschleierungsverbot aus:

Denn wisst ihr, was passiert, wenn muslimische Frauen nicht mehr vollverschleiert in die Öffentlichkeit dürfen? Sie bleiben zu Hause, statt den Schleier abzulegen.

Wo noch die Ahnung davon durchscheint, wie schnell der Schleier als symbolisches Gefängnis des weiblichen Körpers von seinem realen Pendant – der Wohnung – abgelöst wird, entsteht nicht etwa Potential zur Kritik des Islams als System, dass all diesen Formen der Unfreiheit der Frau zugrunde liegt, sondern die Aufforderung, den Trägerinnen von TschadorNiqabHidschab, Abaya und – das, mit Verlaub, nur in den Bergen Afghanistans – der Burqa doch wenigstens die Möglichkeit offen zu lassen, »alleine auf die Straße und zum Supermarkt […] zu [gehen …], Freund*innen zu treffen, einen Job zu ergreifen«. Wie gering sich dieser Anspruch ausnimmt, lässt kaum andere Schlüsse zu, als dass Leute wie Miriam an einem Freiheitsanspruch, der für alle Menschen unabhängig ihrer Herkunft gleichermaßen gilt, schlicht kein Interesse haben. Nur nebenbei sei an dieser Stelle auf die merkwürdige Ruhe hingewiesen, mit der eklatante Widersprüche unter gendersensibler Sprache begraben werden: Dass freiwillig (!) vollverschleierte Frauen alleine das Haus verlassen, um sich mit trans-, inter-, oder auch nur homosexuellen »Freund*innen« zu treffen, ist nichts anderes als Phantasie. Solches schließlich noch mit dem Beispiel Frankreichs, das nichts zeigt als das Ergebnis eines konservativen Islams, gegen dessen Einfluss im öffentlichen – gerade schulischen Bereich – zu lange nichts unternommen wurde, zu begründen, zeugt nur mehr von Ignoranz.

4. »Tipps zum Mit-nach-Hause-nehmen«

Wertvolle Tipps sind es, die der Text dem geneigten Leser zu guter Letzt mit auf den Weg zu geben weiß. So wird etwa empfohlen, Niqab-tragende Frauen auf der Straße doch einfach mal anzulächeln. Es liegt auf der Hand, dass von den Konsequenzen, die sich daraus zum einen für die solcherart Kontakt aufnehmende Person, vor allem aber auch für die ganzkörperverschleierte Frau ergeben, keine Erwähnung finden. Unschön wäre es schließlich, darauf hinzuweisen, wie klug es wäre, von solcher Interaktion ob des eifersüchtigen Mannes der Frau in unmittelbarer Nähe besser abzusehen. Der müsste schließlich nicht nur Menschen, die seinem verschleierten Eigentum zu nahe kommen, sondern in erster Linie seine Frau zurechtweisen: Offensichtlich war sie nicht verschleiert und zurückhaltend genug, um der stattfindenden Anbahnung von fitna  (Unruhe) und zina (Unzucht) vorzubeugen.

#myheadmychoice und die begriffslose Beliebigkeit der VICE.

Mein Kopftuch ist meine Identität […]

Wenn ich es abgenommen hätte, wäre es mir so vorgekommen, als würde ich meine Identität oder meine Familie verraten. Das Kopftuch ist ein Teil von mir […]

In Zeiten von critical whiteness und postmodernen gender studies, in denen sich kulturelle Identität und die (Selbst-)Zuordnung zu unterdrückten Kollektiven anschicken, dem Individuum, das sich ohnehin kaum über Wasser halten kann, vollends den Garaus zu machen, ist es wenig verwunderlich, dass solch erschreckende Äußerungen gerade in der Redaktion der VICE nicht geeignet sind, Stirnrunzeln hervorzurufen. Im Gegensatz zur Jungen Union, die »sich selbst nicht einig [ist], warum sie das Burka-Verbot einführen will«, versteht man sich hier als aufgeklärt und antirassistisch, hat kurzum nicht das geringste Problem damit, Frauen und Mädchen, die unter Begründungen wie den oben genannten ernsthafte Anstalten machen, ihr Kopftuch als Ausdruck einer schützenswerten, individuellen Identität zu verkaufen, in der Annahme zu bestärken, Kritiker des- und derselben seien allesamt rassistische Idioten, die noch nicht ganz auf der Höhe der Zeit angekommen wären:

Das (muslimische) Kopftuch wird von vielen immer noch als ein Zeichen der Unterdrückung der Frau gesehen, wobei die Kritiker außer Acht lassen, dass sich gerade viele junge Frauen bewusst und aus ganz individuellen Gründen für das Kopftuch entscheiden.

Sich dem Widerspruch komplett zu verschließen, den es vernunftgemäß darstellen müsste, das Anlegen des weltweit prominentesten Symbols von Misogynie und Entindividualisierung unter Ausblendung sämtlicher gemeinschaftlicher und psychologischer Rahmenbedingungen eiskalt zum Ausdruck einer frei getroffenen Entscheidung anhand »individuelle[r] Gründe« zu stilisieren, gehört dem Gesamttenor entsprechender Beiträge der VICE zu vergleichbaren Themen nach zu urteilen zu den grundlegenden Fingerübungen der dort Schreibenden. Kaum mehr trüben kann die selbstvergewissernde Wirkung des postmodernen Geplappers dementsprechend, dass man ebendiese Frauen und Mädchen damit in bester antirassistischer Manier ohne mit der Wimper zu zucken dem repressiven und mörderischen Kulturkollektiv überantwortet, das der konservative Islam darstellt. Selbstverständlich einig ist man sich in diesem Zusammenhang hinsichtlich der Absurdität »unverständlich[er] Entscheidungen«, die dem Kopftuch als islamischem Herrschaftsinstrument entgegen gesellschaftlicher Tendenzen, die auszudrücken die VICE zweifelsohne in der Lage ist, den Zugang zu staatlichen Institutionen zu verwehren trachten:

Bei einer Kita-Stelle wollten sie mich auch nicht, weil sie meinten, ich sei ein schlechtes Vorbild für die Kinder, obwohl die selbst zu 60 Prozent muslimisch waren.

Trotz der schlechten Gewissheit ihrer letztendlichen Unhaltbarkeit im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Funktion, die zu erfüllen der Islam sich bestens eignet, sind Entscheidungen wie diese gerade in Hinsicht auf Kindertagesstätten, in denen »die Kinder […] selbst zu 60 Prozent muslimisch« sind, von existenzieller Bedeutung. Sie stehen zumindest für eine Ahnung davon, was die auf die Formel Gemeinschaft statt Gesellschaft zu bringende Alternative, also die Annahme, muslimische Kinder wären mit kopftuchtragenden Erzieherinnen bestens bedient, als Konsequenz eines multikulturalistischen »Abschiebungs-Kommunitarismus« bedeutet: Mit immenser Vorbildfunktion behaftete Rollen mit dem Bild der selbstgewählten Entindividualisierung zu besetzen und Menschen von Kindheit an keinen anderen Weg aufzuzeigen als die Schleife, die direkt zurück in Zwangskollektiv und Clan-Wirtschaft führt. Denkt man die unheilige Allianz kopftuchtragender muslimischer Frauen und Mädchen mit der Hipster-Bild als nur eine weitere Form der längst geschehenen Verbrüderung von Lust an der Unlust und postmodernem Antirassismus, der nichts als schützenswerte und unkritisierbare Kollektive kennt, konsequent zu Ende, ohne sich von der vorherrschenden Begriffslosigkeit dumm machen zu lassen, ohne also zu vergessen, dass das Kopftuch auch entgegen der tausendsten entsprechenden Behauptung nie nur »abstraktes Symbol einer friedfertigen Religion« sein kann, sondern immer »konkretes Symbol und Unterdrückungstechnik des konservativ-orthodoxen Islam bzw. Islamismus« ist, bleibt die einzig sinnvolle Schlussfolgerung das konsequente Drängen auf »Maßnahmen, die nicht mehr ausschließlich von der einzelnen Frau oder dem einzelnen moderaten Moslem erwarten, sich gegen die Community zu stellen, sondern […] helfen […] den überholten islamischen Ehrbegriff samt der dazugehörigen Gruppendynamik sowie die Fixierung auf weibliche Jungfräulichkeit [von Grund auf zu zerstören]« (Thomas Maul), kurzum:

Die Forderung nach dem Kopftuchverbot zumindest im schulischen, universitären und institutionellen öffentlichen Raum.